Barocke
Schlossresi­denz

Barocke
Schlossresi­denz

Hier wohnt
Geschichte

Der nordische Backsteinbarock von Schloss Eutin hat eine ganz eigene Strahlkraft. Er zieht einen fast magisch an und lädt ein, der wechselvollen Geschichte dieses Bauwerkes nachzuspüren.

Erscheint die Außenfassade noch ein wenig streng, entfaltet sich im mediterran anmutenden Innenhof die ganz besondere Atmosphäre dieses Ortes.

Hof,
Burg,
Schloss

Bescheidener Verwaltungshof, mittelalterliche Burganlage, repräsentatives Schloss. Die Verkörperung und Inszenierung kirchlicher und weltlicher Machtansprüche prägt über acht Jahrhunderte die Entwicklung von Schloss Eutin.

Bischöflicher Verwaltungshof und mittelalterliche Burg

Für die Lübecker Bischöfe im 12. Jahrhundert ist die Lage am großen Eutiner See offenbar ideal. Hier nehmen sie ihren Verwaltungssitz, um die strittige Ausdehnung ihres Herrschaftsgebietes zu sichern. Rund um den etwa 1154 errichteten, zunächst rein zweckmäßigen Verwaltungshof entwickelt sich schnell eine Ansiedlung mit Markt- und Kirchplatz. Im Laufe des 13. Jahrhunderts wächst der Hof zu einer mittelalterlichen Burg aus einzelnen Häusern, Scheunen, Türmen und eigener Kapelle. 1320 wird Eutin ständiger bischöflicher Wohnsitz, das Bischofsamt bleibt in Lübeck.

Die Wahl des ersten Fürstbischofs aus dem Haus der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf im Jahr 1586 markiert den Beginn einer neuen Epoche. Eutin wird neben Schloss Gottorf die zweite landesherrschaftliche Residenz. In den folgenden Jahrzehnten bauen die Fürstbischöfe die Anlage immer weiter aus. Ab ca. 1640 zeigt sich das Schloss als geschlossene Vierflügelanlage.

Wiederaufbau und barocke Glanzzeit

1689 zerstört eine Brandkatastrophe große Teile des Schlosses. Nach dem Wiederaufbau erfolgen ab 1716 großzügige Umbauten im zeitgemäßen Stil repräsentativer Barockarchitektur durch den schwedischen Baumeister Rudolph Matthias Dallin. Dazu gehören unter anderem lange Galerien mit zahlreichen Fenstern und die durchgängig auf einer Achse aneinandergereihten Türöffnungen der Räume (Enfilade). Auf einen Blick erschließt sich seither die prachtvolle Ausstattung der Säle im Ost- und Südflügel des Schlosses. Gleichzeitig beginnt der Eutiner Oberbauinspektor Johann Christian Lewon mit der Ausgestaltung eines prächtigen französischen Barockgartens für die fürstbischöfliche Residenz.

Sommerresidenz und kulturelles Zentrum

1773 wird das Fürstbistum Lübeck im russisch-dänischen Tauschvertrag, dem sogenannten Vertrag von Zarskoje Selo, mit dem Herzogtum Oldenburg vereint. Dadurch werden die Fürstbischöfe aus dem Hause Schleswig-Holstein-Gottorf auch zu Herzögen von Oldenburg. Ab 1803 verlegen die Herzöge ihre Hofhaltung vollständig nach Oldenburg und Eutin wird Sommerresidenz. In dieser Zeit finden zahlreiche Gelehrte, Dichter oder Maler wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbein den Weg an den Hof. Der barocke Schlossgarten wird zu einem weitläufigen englischen Landschaftsgarten umgewandelt. 1815 wird das Herzogtum Oldenburg zum Großherzogtum erhoben.

Schloss und Museum

1918 kommt kommt es mit dem Ende der konstitutionellen Monarchie in Deutschland auch zum Thronverzicht des Großherzogs von Oldenburg. Schloss Eutin bleibt im Besitz der herzoglichen Familie, wird aber in Teilen zur Besichtigung geöffnet. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges sind bis Anfang der Fünfzigerjahre Flüchtlinge im Schloss einquartiert. 1961 können nach langjähriger Restaurierung erste Räumlichkeiten wieder zugänglich gemacht werden. 1967 wird Schloss Eutin unter Denkmalschutz gestellt.

Stiftung und Museumsschloss

1992 bringt die herzogliche Familie nach weiteren Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen das Schloss, umfangreiche Teile der Sammlung und den Schlossgarten in die öffentlich-rechtliche Stiftung Schloss Eutin ein. Das Land Schleswig-Holstein übernimmt künftig weitere Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten und die Instandhaltung. Seit 2006 ist das Schloss Eutin wieder als Museum zugänglich. 2016 ist das Areal des Schlossgartens mit dem aufwendig restaurierten Küchengarten Teil der Landesgartenschau in Eutin.

Eine Prägende
Dynastie

Generationen von Fürstinnen und Fürsten, Prinzessinnen und Prinzen des Hauses Schleswig-Holstein-Gottorf haben die Geschichte des zunächst bischöflichen, dann fürstbischöflichen, herzoglichen und schließlich großherzoglichen Hofes am Großen Eutiner See geprägt.

Die Begegnung mit ihren Porträts im Schloss Eutin bringt uns ihre so unterschiedlichen Biografien näher und verbindet abstrakte historische Ereignisse mit individuellen Schicksalen.

Der Begründer

Herzog Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf (1526 – 1586) ist der jüngste der drei Söhne von Friedrich I. von Dänemark, zu dessen Herrschaftsgebiet auch große Teile Schleswig-Holsteins gehörten. Nach dem Tod des Vaters teilen Adolf und seine Brüder das Herrschaftsgebiet untereinander auf: Adolf erhält verschiedene Besitzungen in Schleswig und Holstein und nimmt seinen Herrschaftssitz auf Schloss Gottorf. Damit begründet er die herzogliche Linie Schleswig-Holstein-Gottorf.

Durch den Tod des zweitältesten Bruders Johann kommt zu Adolfs Besitz unter anderem das Fürstbistum Lübeck mit dem bischöflichen Sitz Schloss Eutin hinzu. Seit dieser Zeit stellt das Haus Schleswig-Holstein-Gottorf die Fürstbischöfe in Lübeck und damit die regierenden Fürsten in Schloss Eutin.

Der Stabilisator

Johann von Schleswig-Holstein-Gottorf (1606 – 1655), genannt Bischof Hans, ist ein Enkel von Adolf I. Er nimmt als erster Lübecker Fürstbischof ständigen Wohnsitz im Schloss Eutin. Obwohl seine Regentschaft mit dem Dreißigjährigen Krieg und Pestausbrüchen in Eutin zusammenfällt, gelingt es Hans, sein Herrschaftsgebiet zu erhalten. Auch das eigentlich durch Wahlen vergebene Bischofsamt in Lübeck sichert er vertraglich für weitere sechs Generationen seiner Familie, dem Haus Schleswig-Holstein-Gottorf.

Er baut das Schloss daher zur zweiten Residenz der Gottorfer aus und erweitert die Gartenanlage im holländischen Barockstil. Seine Aktivität sorgt für einen wirtschaftlichen Aufschwung in der Region.

Der Ausdauernde

Christian August von Schleswig-Holstein-Gottorf (1673 – 1726) wird als zweiter Sohn des Gottorfer Herzogs Christian Albrecht (Gründer der Kieler Universität) 1705 Fürstbischof von Lübeck. In seiner Regierungszeit kommt es zu diversen Auseinandersetzungen mit dem benachbarten Königreich Dänemark. Während des Nordischen Krieges ist Christian August sogar zeitweise gezwungen, seine Residenz Eutin zu verlassen und sich ins Hamburger Exil zu begeben.

Nach seiner Rückkehr kann Christian August dank zunehmender Stabilisierung seiner Position die Eutiner Residenz von einer immer noch mittelalterlich geprägten Burganlage zum barocken Fürstenhof umgestalten. Die von seinem Hofbaumeister Rudolph Matthias Dallin ab 1717 durchgeführten Umbauten bestehen im Wesentlichen bis heute.

Der Aufsteiger

Adolf Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf (1710 – 1771), Christian Augusts Sohn, führt den Eutiner Hof zu seiner Glanzzeit. Er vollendet die Umgestaltungen seines Vaters, indem er auf der Südseite der Anlage einen aufwendigen barocken Lustgarten nach französischem Vorbild anlegen lässt. Für diese Aufgabe verpflichtet er Johann Christian Lewon als Oberbauinspektor.

1743 wird Adolf Friedrich in Stockholm zum Nachfolger des kinderlosen Friedrich von Schweden gewählt. Seine Verwandtschaft mit dem ehemaligen schwedischen Königshaus und seine Machtposition in Schleswig-Holstein sind dafür ausschlaggebend. Die standesgemäße Hochzeit mit Luise Ulrike von Preußen, eine Schwester von Friedrich dem Großen, erfolgt 1744. Das Ehepaar bleibt noch etwa sieben Jahre in Eutin, 1751 besteigt Adolf Friedrich dann den schwedischen Thron.

Die Große

Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst (1729 – 1796) – später Katharina die Große – ist die Nichte von Adolf Friedrich. Als Zehnjährige besucht sie 1739 ihren Onkel im Eutiner Schloss. In ihren Memoiren beschreibt sie, wie sie dort auch ihrem Cousin zweiten Grades begegnet, Carl Peter Ulrich von Schleswig-Holstein-Gottorf. Beide Kinder können nicht ahnen, dass sie sechs Jahre später in Moskau heiraten und 1762 das neue Zarenpaar sein werden. Als Peter III. und Katharina II. begründen die beiden die Dynastie Romanow-Holstein-Gottorp.

Katharina übernimmt die Herrschaft über Russland nach einem Staatsstreich und wird noch 1762 selbst zur Zarin gekrönt. Sie regiert das russische Reich 34 Jahre lang. In dieser Position beeinflusst die starke Herrscherin auch die politische Landkarte Norddeutschlands und das Wirken der Regenten im Schloss Eutin nachhaltig.

Der Neuerer

Peter Friedrich Ludwig von Schleswig-Holstein-Gottorf (1755 – 1829) ist ein Neffe Adolf Friedrichs, der gleichzeitig auch Onkel von Katharina der Großen ist. Er übernimmt 1785 die Regentschaft in Eutin für seinen psychisch erkrankten Cousin Peter Friedrich Wilhelm. Sein Herrschaftsgebiet ist durch den 1773 von Katharina II. initiierten Vertrag von Zarskoje Selo um das Herzogtum Oldenburg reicher. Allerdings amtiert Peter Friedrich Ludwig seit der Säkularisation nicht mehr als Fürstbischof, sondern als Fürst von Lübeck.

Obwohl er Oldenburg zum Regierungssitz erklärt und Eutin zu seiner Sommerresidenz macht, fördert Peter Friedrich Ludwig das kulturelle und geistige Leben am Eutiner Hof. Dichter und Lyriker wie unter anderem Johann Heinrich Voß oder Friedrich Leopold Graf zu Stolberg prägen die intellektuelle Auseinandersetzung in Schloss und Stadt ebenso wie die Hofmaler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein und Ludwig Philipp Strack.

Als Bauherr plant Peter Friedrich Ludwig den Umbau des Schlossvorhofs und lässt den barocken Schlossgarten zu einem weitläufigen englischen Landschaftsgarten umwandeln. Unter seiner Ägide wird auch der Küchengarten neu angelegt und die Schlossgärten für die Eutiner Bürger geöffnet.