Der
Schloss­garten

Der
Schloss­garten

Ein englischer
Landschafts­garten

Der Blick von der Südterrasse des Schlosses über sein großes, sanft moduliertes und von Bäumen umspieltes Grün gehört zu den schönsten in der Holsteinischen Schweiz.

Der Eutiner Schlossgarten ist heute eines der bedeutendsten Gartendenkmale in Schleswig-Holstein.

Mittelalterlicher Nutz- und Heilgarten

Überlieferungen aus dem frühen 14. Jahrhundert deuten auf einen Arznei- und Kräutergarten im nördlichen Bereich des damaligen Burgareals hin. Er wurde vermutlich als ‚Hortus conclusus‘, als eingefriedeter, rechteckiger Garten mit Beeten und Hochbeeten angelegt und diente Bischof Heinrich II. von Bockholt (1317–1341), einem ‚Magister in artibus et medicina‘, zur Herstellung heilender Rezepturen.

Wasserspiele der Renaissance

Um 1500 entsteht auf dem Burggelände die erste Wasserkunstanlage, wahrscheinlich ein Novum im nordelbischen Raum. Ihr Bau ist inspiriert von einem bischöflichen Aufenthalt in Italien, wo Wasserspiele schon lange fester Bestandteil von Renaissance-Gärten sind. Möglicherweise geht der Springbrunnen im Schlosshof bereits auf diese Zeit zurück.

Standesgemäßer Tiergarten im Frühbarock

Ende des 16. Jahrhunderts entsteht südlich in Sichtweite der Burganlage ein etwa 15 Hektar großes Wildgehege. Das Areal ist durch einen Wall und einen doppelten Palisadenzaun gesichert. Als frühbarockes Statussymbol ist ein ‚Thiergarten‘ fester Bestandteil der fürstbischöflichen Residenz- und Jagdkultur – auch für die seit 1586 im Schloss residierenden Fürstbischöfe aus dem Hause Schleswig-Holstein-Gottorf.

Repräsentativer Barockgarten

Im 17. Jahrhundert entwickeln sich feste Strukturen einer fürstlich repräsentativen Gartenanlage. Das Schloss ist jetzt umgeben von einem u-förmigen Winkelgarten im Stil holländischer Barockgärten. Neue Wasserspiele entstehen, große Statuen und Vasen werden aufgestellt. Eine Karte von 1648 weist in Sichtweite des Schlosses einen rechtwinklig gegliederten Nutz- und Lustgarten aus.

Um 1675 wird der Winkelgarten zum Broderie-Garten weiterentwickelt. Symmetrisch durchstrukturierte Beete aus niedrigen, zugeschnittenen Strauchhecken formen fantasievolle Ornamente. Dem Zeitgeschmack entsprechend leistet man sich einen Melonengarten mit Gewächshaus. Außerhalb des Schlossgeländes wird ein Küchengarten bewirtschaftet.

Im 18. Jahrhundert erlebt Europa die Blütezeit künstlerischer Barockgärten. Der inzwischen sehr verwinkelte und zerstückelte Schlossgarten wird ab 1717 mit der Idee umgestaltet, Schloss und Garten als Einheit zu formen. Eine Brücke über den Wassergraben ermöglicht jetzt die Öffnung der Südterrasse in das trapezförmig verlaufende Gartenareal.

Dem Oberbauinspektor Johann Christian Lewon (1690–1760) gelingt ab 1717 ein imposanter Entwurf für den Eutiner Barockgarten. Innerhalb der markanten Großform werden unterschiedliche abgegrenzte Pflanzflächen zu Kompartimenten durchgestaltet. Für höfische Repräsentationszwecke entstehen so: eine ausgedehnte Freitreppe, ein spiegelbildlich durchkomponiertes Broderieparterre mit vielfältigen Mustern, abwechslungsreiche Boskette, ein Heckentheater, eine Eremitage als Rückzugsort, verschiedene Wasserspiele und ein großer Schildkrötenteich oberhalb einer Kaskade. Über allem thront als höchster Punkt der große Gartenpavillon.

Baumgarten, Lustgarten und Nutzgarten sind nun geschickt mit dem Schloss verbunden, der Gartenraum ist die optische Erweiterung der Schlossinnenräume. Um 1740 ist der Höhepunkt der prunkvollen barocken Gartenkultur erreicht. Die gestalterische Pracht des gesamten Residenzgeländes wird in einer Kupferstich-Sammlung zusammengefasst und veröffentlicht. Die Grafiken werden heute im Schlossrundgang prominent präsentiert – vom sogenannten Gartenkabinett aus beginnen auch die Führungen durch die Schlossgärten.

Zeichen des Zeitenwandels

Wie als sichtbares, Natur gewordenes Zeichen eines tiefgreifenden Zeitenwandels wird ab 1790 der repräsentative Barockgarten in einen weitläufigen englischen Landschaftsgarten umgewandelt.

Die Anlage versinnbildlicht das Credo der Aufklärung: Natur und Kunst, Nutzen und Schönheit, Gefühl und Verstand sind in einem Gartenkunstwerk vereint.

Englischer Landschaftsgarten

Initiator der Neuanlage des englischen Gartens ist Herzog Peter Friedrich Ludwig, der Eindrücke von einer fast zweijährigen Englandreise einbringt. Er orientiert sich dabei auch an den Schriften des Kieler Gartentheoretikers Cay Christian Lorenz Hirschfeld.

Der programmatisch aufgebaute und symmetrisch angelegte Barockgarten wird zugunsten einer neuen Gestaltungsidee aufgegeben: dem begehbaren Landschaftsgemälde. Der neue Garten wird durch ein großzügiges Rundwegesystem erschlossen, das bis heute erhalten ist. Es führt mit dem Anspruch durch den Garten, ein zentrales Prinzip der Aufklärung zu vermitteln: die Verbindung von Natur und Kunst, Nutzen und Schönheit, Gefühl und Verstand zu einem Gesamterlebnis

Für Peter Friedrich Ludwig war der Eutiner Schlossgarten einer der „englischsten in Deutschland“ – „Wenige sind in meinen Augen im wahren Stil, d.h. gezeichnet in der Absicht,die Landschaft so zu verschönern, wie die Natur selber der Landschaft ihren Charakter aufgedrückt hat.“

Briefe 1820 – 1828, Niedersächsisches Landesarchiv, Oldenburg

Die geschwungene Wegeführung bietet dem Besucher immer neue Blickachsen – Ausschnitte der umgebenden Landschaft oder hell aus dem Grün herausstrahlende klassizistische Gartenbauwerke. Heute noch erhalten sind der Seepavillon, der Artemis-Tempel aus Tuffstein und der erhöht gelegene Monopteros, ein griechischer Rundtempel. Auch Teiche und Wasserläufe werden in dieses Konzept integriert und erhalten unterschiedlich geformte, weiß gefasste Brücken wie die chinesische Bogenbrücke. Im Herzen der Anlage befindet sich der große, von einer Mauer umgebene Küchengarten. 

Einzelne Elemente der barocken Gartenanlage werden dezent in das neue Gartenkonzept integriert, zum Beispiel die Lindenallee und Teile des vorhandenen Baumbestands. Die Auswahl der Pflanzen orientiert sich an der gegebenen Klimazone. Ihre Kombination und räumliche Platzierung sorgen für unterschiedlichste Grünschattierungen im Gelände, diese sollen einerseits eine optische Tiefenwirkung erzeugen, die Besucher aber auch in ihrer Stimmung beeinflussen: heiter, geheimnisvoll oder melancholisch.

Die schönsten Aussichtspunkte erhalten weiße Parkbänke. Der englische Landschaftsgarten und das Schloss bilden jetzt ein malerisches Bildwerk. Herzog Peter Friedrich Ludwigs in zwanzigjähriger Schaffenszeit herausgebildetes Gesamtkunstwerk ist heute noch lebendig.

„Tempel, rieselnde Bäche, Wasserfälle, Brücken, Ruhesitze ... wechseln überall in überraschenden, um den Preis des Schönen und Malerischen wetteifernden Partien.

Bald ist’s ein düsterer Waldgang unter Buchen und Tannen leitend zu kleinen über Travertingestein und durch wilde Weinrebengehänge sich ergießenden Katarakten, umpflanzt von Akazien und Platanen.“

Johann Friedrich Lorenz Meyer, Hamburger Domherr,
über einen Aufenthalt in Eutin, 1815